Hockenheimer Tageszeitung 13.08.2014
"Hautnah" im Atelier dabei sein
Einfach vorbei gehen, das fällt an diesem Schaufenster schwer. Weder Sonderangebote noch irgendwelche süßen Leckereien locken, sondern bemalte Leinwände und Formen aus Stein sind die Blickfänger. ... Noch während die Ausstellung des Kunstvereins in der Stadthalle läuft, startet gleich ein neues Projekt. "Hautnah" geht es zur Sache. Die drei Künstlerinnen Gisela Späth, Andrea Tewes und Nina Kruser verwandeln den seit Juli leer stehenden Laden in ein offenes Atelier – eine Möglichkeit, die ihnen Markus Fuchs, Gemeinderat und Inhaber des Geschäfts, eingeräumt hat. "Das ist ein so tolles Angebot, dass wir einfach annehmen mussten", sagte Kunstvereinsvorsitzende Gisela Späth bei der offiziellen Eröffnung von "Hautnah". ... "Das ist eine tolle Bereicherung für Hockenheim und den Kunstverein", sagte eine Besucherin, sich neugierig umschauend. Dass hier regelmäßig etwas Neues zu sehen ist, das garantieren die drei Damen des Kunstvereins. Sie wollen nämlich auch die anderen Vereinsmitglieder an diesem Projekt teilhaben lassen, so dass sich bei einem Stadtbummel das Reinschauen immer wieder aufs Neue lohnt.

Hockenheimer Woche 25.06.2014
Interview mit Gisela Späth zu der Ausstellung "Atelier und Künstler"
Im Wasserturm wird Kunst auf hohem Niveau gezeigt
(sr) Erstmals hat "Atelier und Künstler", ein kreisweites Ausstellungsprojekt, auch in Hockenheim eine Station. Noch bis zum 6. Juli sind im Wasserturm außergewöhnliche Kunstwerke von Kirsten Kuhlmann, Ruben Schneider und Andreas Zidek zu sehen. Das Thema Schmuck steht dabei im Vordergrund. Mit Gisela Späth, die das Projekt des Kreises in Hockenheim koordiniert hat, führten wir ein Gespräch zur Ausstellung.

Frau Späth, mit rund 100 Ausstellungen, die Sie organisiert haben, gehören Sie zu den "alten Hasen", was die Organisation betrifft. Was war dennoch das Besondere bei der Vorbereitung von "Atelier und Künstler"?
Späth: Wir haben hier erstmals nur im Hintergrund gearbeitet und das Landratsamt vor Ort bei der Organisation unterstützt. Diese Mittlerfunktion war zum Teil sehr aufwändig.
Was genau war Ihre Funktion?
Späth: Die gesamte Vorbereitungszeit hat über ein Jahr gedauert. Zunächst hat ein Team des Landratsamts sich ein Bild von den zwei möglichen Ausstellungsorten, der Zehntscheune und dem Wasserturm, gemacht. Nachdem die Entscheidung für den Wasserturm gefallen war, ging es dann an die Feinplanung. Wie funktioniert das mit der anderen öffentlichen Nutzung des Wasserturms, den Trauungen? Wie lässt sich die Aufsicht bewerkstelligen? Das waren einige wesentliche Punkte, die zu klären waren.
Welche Lösungen haben Sie gefunden?
Späth: Ich denke, die Kuratoren haben zielsicher entschieden, Schmuckunikate als Schwerpunkt im Wasserturm auszustellen. Dessen aufwändige Sanierung zum 100. Geburtstag ließ ihn selbst zu einem Schmuckstück werden. Um die Möglichkeit zu haben, weiter die Trauungen im Wasserturm durchzuführen, wurde bei der Konzeption des Ausstellungsraumes vom üblichen Verfahren abgewichen, die Galeriesockel im gesamten Raum zu platzieren. Stattdessen stehen sie am Rand. So konnten beide Nutzungen miteinander vereinbart werden. Danke nochmal an die Stadtwerke für Ihre Unterstützung.
Und bezüglich der Aufsicht?
Späth: Hier bestand die Schwierigkeit darin, dass wir über einen außergewöhnlich langen Zeitraum die Aufsicht am Wochenende gewährleisten müssen. Wir alleine vom Kunstverein hätten das kaum schultern können. Doch neben unseren Vorstandsmitgliedern und Mitgliedern haben sich dank alter Kontakte zum Gaußgymnasium auch Schülerinnen und Schüler der 10. Klassebereit erklärt mitzumachen. Und das hat einfach ganz wunderbar geklappt, wofür ich mich an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bedanken möchte.
Wie ist man überhaupt auf Hockenheim gekommen?
Späth: Vor Jahren habe ich dem Landrat eine kurze Bewerbung gegeben. Ich finde es für Hockenheim einfach wichtig, dass wir uns auch über Kultur definieren. Und durch die Teilnahme an dem kreisweiten Ausstellungsprojekt konnten wir einer breiten Öffentlichkeit zeigen, dass wir in Hockenheim sehr gute Möglichkeiten haben, auf hohem Niveau Kunst zu präsentieren.
Wurde das Angebot denn auch regional angenommen?
Späth: Oh ja, viele Besucher aus der gesamten Metropolregion haben von dem Angebot Gebrauch gemacht. Das spannende an den unterschiedlichen Ausstellungsorten war, dass jeder ganz anders und ganz besonders ist. Interessant fand ich auch die Lösung der Kunstpräsentation im Rauhenberger Trockenturm, die über mehrere Plattformen ging.
Nach der ganzen Arbeit: Würden Sie wieder mitmachen?
Späth: Auf alle Fälle. Wir haben hier eine sehr sehenswerte Ausstellung, die Kunst für jeden ganz greifbar an wunderschönen Schmuckstücken sichtbar macht. Und mir macht es Spaß, weil ich neue Projekt spannend finde.

Hockenheimer Woche 23.01.2014
Beruf oder Berufung - Galerist Dr. Günther Zulauf berichtet
Freinsheim, Galerie Zulauf, ein Begriff in der Kunstwelt. Eine renommierte Galerie, die seit 1987 besteht, eine Galerie für moderne Kunst, die besonders für die informelle Kunst der letzten 50 Jahre steht, die nicht nur Claudia Tebben und Walter Schembs seit Jahren vertritt, sondern auch so bekannte Künstler wie Georg Baselitz, Tony Cragg, Markus Lüpertz, die auch Künstler wie Andy Warhol, Fritz Winter, Sonja Delaunay im Angebot hat, um nur einige zu nennen. Dr. Günther Zulauf wird am 14. August um 20 Uhr über "Beruf oder Berufung" - über die Arbeit eines Galeristen berichten.

RNZ Ausgabe Buchen 08.10.2013
Ausstellung im "Vis-á-Vis": Barocker Tango und andere Überraschungen
von Peter Lahr
Buchen. Auf reges Interesse stie▀ das erste "Auswärtsspiel" des Kunstvereins Hockenheim, das am Sonntagnachmittag im Kulturforum "Vis-Óá-Vis" angepfiffen wurde. Das Team mit zehn Spielern - es dominierten eindeutig die Spielerinnen - zeigte sich in spielfreudiger Form. Unter dem Titel "Faszination der Gegensätze" sind im Buchener Standort des Kunstvereins Neckar-Odenwald 38 Werke zu sehen.
Passend zum Motto erklang der "Tango baroquita" von James Duncan Carey. Ein Tango im Barock? Da hatten Angela Bechtold, Anna Henk, Magdalena Henk, Anna-Maria Weber und Lehrerin Regine Jordine ein sicheres Händchen bei der Auswahl bewiesen. Die Fünf bildeten das energiegeladene Quintett "Flötissimo" der Joseph-Martin-Kraus-Musikschule Buchen und fügten der Vernissage die Klang-Dimension hinzu.
Unter den rund 70 Gästen begrüßte Kunstvereins-Vorsitzender Werner Zeh Bürgermeister Roland Burger persönlich. Zeh selbst hatte mit einer Ausstellung im Kunstverein Hockenheim die "Vorlage" für den "Gegenbesuch" geliefert. Dass die Idee einer Ausstellungskooperation "sichtbare Früchte" trage, darüber freute sich Landrat Dr. Achim Brötel, der mit seinem launigen Grußwort manchen Gast überraschte.
"Die Metropolregion im Kleinen" sah er hier ganz pragmatisch umgesetzt. "Nur die Gegensätze lehren uns, die Welt zu verstehen", gab Dr. Brötel den Ball weiter an Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte, die als Laudatorin fungierte. Zwar schlössen sich Gegensätze wie Schwarz-Weiß aus, doch seien die meisten Gegensätze "koexistent".
"Vielleicht sensibilisieren uns die Arbeiten, künftig genauer hinzuschauen, was da nicht zusammenpasst - in der Kunst wie im Leben", wünschte sich die Rednerin, die zu Künstlern und Werken teilweise recht detaillierte Erläuterungen mit auf den Weg gab.
Gisela Späth, derzeit Vorsitzende des Hockenheimer Kunstvereins, wirkte nicht nur im Schuldienst, sondern betrieb zudem 20 Jahre ihre eigene Kunstschule. Sie arbeitet mit "Farbklängen", die assoziative Eindrücke ermöglichten.
Nina Kruser setzt sich bereits mit zwei kleinen Rundformaten von der Mehrheit der rechteckigen Gemälde ab. Eine spannende Reihung bildet ihr "Lila Licht", das menschliche Köpfe in Liniengeflechte transformiert, die an DNA-Stränge gemahnen.
Ein Spiel mit Ein- und Ausblicken bietet Andrea Tewes Skulptur "Im Schatten". Emaillierte Details arbeitet sie geschickt in einen abstrakten Jahreszeitenzyklus ein. Aus farbenfrohen Ornamenten lässt Theresia Gaa menschliche Antlitze aufblitzen.
Einen Blick für Alltagsszenen, bei denen auch der Zufall Regie führt, hat sich Marga Fedder bewahrt. Die sehenswerten Ergebnisse der weitgereisten Fotografin besitzen mitunter durchaus surreale Züge. Naturmotive verändert der Mediengestalter Matthias Mayer zu leuchtstarken Kunststücken in extremen Querformaten.
Doris Bernhard-Matzke schickt eine Farbkugel vor einen klassischen Schwarz-Weiß-Kontrast. Spiegeleffekte bereichern Emi Haucks abstrahierende Stadtansicht. Zu einer "Reise nach Fernost" lädt Hedwig Ruder ein, die eine Pflanze aus Laos mit geometrischen Formen kombiniert. Graphik-Designerin Renate Grein setzt vor drei Porträts, die Schmerz und Skepsis ausdrücken, die einfallsreiche Installation "Schutzraum Nest", die das Geborgensein eines Babys umsetzt.
"Wir wollen Kunst als Ausdruck der Menschen fördern, denn Kunst geht jeden an", unterstrich Gisela Späth, die "ihren" Kunstverein skizzierte. Neben der Organisation von Ausstellungen fördere man Mitmach-Aktionen, wie das Bemalen von Schaltkästen - ein Generationen übergreifendes Projekt.
Fi Info: Die Ausstellung "Faszination der Gegensätze" ist bis zum 27. Oktober im Buchener Kulturforum "Vis-á-Vis" zu sehen. Geöffnet ist dienstags bis freitags sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Hockenheimer Tageszeitung 12.11.2012
Facettenreich wie das Leben selbst
Brauchen wir die Kunst? "Über diese Frage müssen wir nicht streiten. Welche Kunst wir brauchen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden," stellt Gisela Späth in ihrer Eröffnungsrede zum zehnjährigen Bestehen des Kunstvereins Hockenheim fest. Die Jubiläumsausstellung "10+1" in der Zehntscheune, die am Samstagnachmittag mit einer kleinen Feier eröffnet wurde, zeigt die Ausstellungsarbeit des Kunstvereins der letzten zehn Jahre und ist dabei mit Abstraktem und Gegenständlichem, Malerei , Skulptur, Installation und Performance so vielfältig wie die Kunst und erst recht das Leben selbst. Mit seinem facettenreichen Programm der Kunstvermittlung verfolgt der Verein damit weiter sein Ziel, bildende Kunst für ein breites Publikum zugänglich zu machen. "Der Kunstverein hat die Vereinslandschaft in Hockenheim nachhaltig verändert und gestaltet unsere Stadt aktiv mit. Ich bin froh, dass es Sie gibt", überbringt Oberbürgermeister Dieter Gummer seine Glückwünsche…."Kunstvereine sind als fast 200 Jahre alte Einrichtung immer noch lebendig", meint Dr. Martina Wehlte. Das zeige sich auch in Hockenheim. Wie schon bei vergangenen Ausstellungen übernimmt sie die Einführung und stellt alle elf Künstler vor. Die musikalische Umrahmung steuert Anna Schult-Zlotovskaya bei, gekleidet in eine Skulptur der Künstlerin Angelika Summa. Die Geigerin spielt mal filigran und sanft, mal frei und wild, mal ruhig und melancholisch. Besonders interessant: Die Performerin wandelt im Zwiegespräch mit den Kunstwerken durch die Räume und ermöglicht so eine neue Perspektive auf die Werke. ... Die "spaceframes" aus Muschelkalk von Hans Michael Franke, die großen Cortenstahlskulpturen von Reinhard Scherer und die Gemälde mit dem "Floralen Alphabet" von Rainer Nepita im Foyer, die Installation mit den wachsgetränkten Hemdchen von Hildegard Peetz und die Sinnkugeln aus geschweißtem Drahtnetzwerk von Angelika Summa im Treppenhaus, im Kellergeschoss ein offener leerer Vogelkäfig auf einem Ateliertisch von Professor Dieter Kraemer und daneben das große Triptychon seines Meisterschülers Dirk Schmitt mit dem Titel "Scham", einem Mann im Anzug vom Leben geprägt und erschöpft. Auf der anderen Seite des Raumes: die farbintensiven Farbfeldmalereien von Gerd Winter, ruhig, sanft und doch klar in ihrem Ausdruck. Dazwischen die Skulpturen aus Cortenstahl von Jörg Bach, die Holzskulpturen von Armin Göhringer. ... Dass die Kunstwerke in ihrer Anordnung alle so gut harmonieren, liegt vor allem am Einsatz von Gisela Späth. "Da steckt ein großer Krafteinsatz dahinter. Dass ein Verein in einer kleinen Stadt eine Person hat, die so fähig ist und das beherrscht, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit, weiß Sigrid Gensichen, die in den vergangenen Jahren mit Wehlte im Wechsel Einführungen in die Ausstellungen übernommen hat. Und auch die Mitglieder des Kunstvereins sehen das so: "Wir sind stolz auf unseren Verein".

Hockenheimer Tageszeitung 15.09.2012
Meisterlich in Musikstücke eingefühlt
Wer trotz hochsommerlicher Temperaturen am Sonntag der Einladung des Kunstvereins in die Stadthalle gefolgt ist, der konnte sich an einem Konzert der Extraklasse freuen: Leonard Schlüter, vielfach ausgezeichneter Pianist aus Hockenheim, hat die Ausstellung um musikalische Meisterwerke bereichert. Gisela Späth, die Vorsitzende des Kunstvereins, begrüßte den sympathischen jungen Künstler, der bereits zum siebten Mal mit seinem Klavierspiel begeisterte. Mozarts Fantasie und Klaviersonate in c-moll nimmt in seinem Schaffen eine besondere Stellung ein: es ist ein exzentrisches Werk, das mit seiner eruptiven Ausdrucksgewalt weit in das romantische Zeitalter vorausweist. Die Nähe zu Beethoven ist unüberhörbar. Bei Leonard Schlüter, mehrfach ausgezeichneter Beethoven-Interpret, war dieses Werk in den besten Händen. Faszinierend, wie mühelos seine Finger über die Tasten gleiten, mit welcher dynamischen Präzision jeder Ton gespielt ist. Sein Spektrum an Klangfarben und Schattierungen scheint unerschöpflich. Besonders deutlich wird dies im langsamen Satz, den er mit einer melancholischen Grundstimmung in überirdische Schönheit taucht. Mit Schuberts Fantasie in C-Dur op. 15 hat Leonard Schlüter vor der Pause einen ersten Höhepunkt gesetzt. Das Thema, das dem ganzen Werk zugrunde liegt, entstammt dem Lied "Der Wanderer" und trägt folgende Textzeile: "Die Sonne dünkt mich hier so kalt, die Blüte welk, das Leben alt, und was sie reden, leerer Schall; ich bin ein Fremdling überall". Schon bei den ersten Akkorden spürte man die Begeisterung, mit der Schlüter dieses gewaltige Werk interpretiert. Er spielt nicht einfach Klavier, nein, er lebt die Musik und macht sie seinen Hörern erlebbar. Wie er das Thema in die unterschiedlichsten Nuancen taucht, den Charakter der einzelnen Sätze stilsicher gestaltet, wie sich Dramatik, Lyrik, Melancholie und Scherzhaftes in einer großen Fuge treffen, das ist eine wahre Meisterleistung! Den hochvirtuosen Schlusspunkt setzte der 23-Jährige Leonard Schlüter mit der "Don Juan Paraphrase" von F. Liszt. Man muss es nicht nur gehört - nein, auch gesehen haben! Franz Liszt hat bekannte Weisen aus Mozarts "Don Giovanni" aufgegriffen und mit brillanten Variationen ausgeschmückt, mit halsbrecherischen Kaskaden, Sprüngen und anderen pianistischen Zutaten versehen. Eine Höchstschwierigkeit folgt der nächsten, die Bewältigung dieses Werkes grenzt schon an Hexerei! Schlüter verfügt über eine atemberaubende Technik, mit schlafwandlerischer Sicherheit rast er über die Tastatur. Doch er genießt auch die gesanglichen Momente, er nimmt seine Zuhörer an der Hand und führt sie von der Spannung in die Entspannung und schließlich in die abschließende Champangerarie. Das Publikum, fasziniert von dieser Leistung, spendete dem jungen Künstler Bravo-Rufe und Standing Ovations! Leonard Schlüter bedankte sich auf seine Art: Der "Schwan" beruhigte die erhitzten Gemüter.

Hockenheimer Tageszeitung 27.08.2012
Kontrastreiche Werke in feinen Nuancen
Es kann uneingeschränkt von einer Erfolgsgeschichte gesprochen werden, wenn vom Hockenheimer Kunstverein die Rede ist. Erst zehn Jahre jung, kann er auf 66 Ausstellungen an unterschiedlichsten Örtlichkeiten zurückblicken, Wasserturm, Zehntscheune, Vermögenszentrum, um nur einige zu nennen, so Gisela Späth, 1. Vorsitzende des Kunstvereins. Hinzurechnen muss man zudem die einmal im Jahr stattfindenden Großprojekte in der Stadthalle mit einem umfangreichen Rahmenprogramm wie Vortrag, Workshops, Film, Konzert, Kunst und Kulinarisches. Mit wenigen Worten ging Späth …auf den Titel der Ausstellung "Drei Positionen" und die Unterschiede in den Arbeiten, Stilen und Materialien ein, während die Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte über die Ästhetik der Chromstahlskulpturen von Gertrude Reum, die kinetischen Effekte in den Stegplattenbildern von Norbert Huwer und die dominierende Farbe Rot bei Werner Zeh referierte.

Hockenheimer Tageszeitung 02.05.2012
Rituelle Dokumentation von Kraft und Stärke - Vernissage von 17 Künstlerinnen aus der Region zum Thema "Ring an sich"
Es ist der Ring, dieses unendliche Zeichen, welches die Menschen bewegt. Sei es der Ring der Nibelungen, der Ring der Liebe oder gar der Hockenheimring. ... Oberbürgermeister Dieter Gummer: Für die Stadt sei er noch mehr: Imagefaktor und Wirtschaftsmotor, bringt strahlende Augen der Motorfans, hat eine ganz besondere Streckenführung und lässt damit auch zahlreiche Interpretationen zu. Die Kunsthistorikerin Yvonne Weber rühmte jene "Frauen der Ringe", die sich hier mutig zusammen gefunden hätten, um die Welt noch ein wenig schöner zu machen, im Kontext aber auch im deutlichen Gegensatz zu dem, was der Ring per se verkörpere: die rituelle Dokumentation von Kraft und Stärke. Das ist das, was Männer dort zeigen wollen. Im Gegensatz dazu wolle jede Künstlerin ihre individuelle Stärke in die Waagschale legen und ihre Werke sprechen lassen. ... 16 Künstlerinnen der GEDOK Mannheim-Ludwigshafen konnte Gisela Späth, 1. Vorsitzende, gewinnen, sich mit dem Thema "Ring an sich" künstlerisch auseinander zu setzen.

Rhein-Neckar-Zeitung 07.02.2012
Irritierende Seherfahrungen
Es war sichtlich die Präsenz und doch Transparenz, die die Menschen in ihren Bann zog: Selten erlebte eine Vernissage des Kunstvereins eine solch leise und doch zugleich intensive Auseinandersetzung mit dem Geschaffenen wie am vergangenen Wochenende. "Kugelbau und Farbkuben" lautet der Titel der Präsentation rund um die Werke von Bettina Lüdicke, Berlin, und Petra Ottkowski, Leipzig. ... Die Kuratorin Sabine Aichele-Elsner war eigens angereist, um die erkrankte Bettina Lüdicke zu vertreten. Sie brachte die filigranen Meisterwerke, aus dünnem Kupferdraht gesponnene Körper. ... Petra Ottkowski geht es um die Erschließung des Raumes, betonte die Kunsthistorikerin Martina Wehlte. Ihr Bildgegenstand ist angesiedelt zwischen konkreter Skulptur und Architektur. ... Für den Kunstverein ein geglückter Start in das zehnte Jahr der Existenz.

Hockenheimer Tageszeitung 28.11.2011
"Natürliche" Kunst aus Commercy
Waren es in der benachbarten Stadtkirche die himmlischen Heerscharen, die im Zentrum der Ausstellung standen, hatte der Kunstverein seinen ganz eigenen Lichtwesen ein Plätzchen entlang der Wände im Foyer der Pestalozzischule gegeben. .. In diesem Jahr profitierten die Besucher der Kunstausstellung während des Hockenheimer Advents in besonderem Maße, hatte Gisela Späth doch mit Alix Beauseigneur eine Vertreterin der Fotokunst aus dem befreundeten Commercy eingeladen, welche mit ihren Fotoarbeiten, den pflanzlichen Strukturen und Texturen ein völlig neues Leben entwickelt. ...

Hockenheimer Tageszeitung 14.09.2011
Begeisterung über wahre Garten-Perlen am Tag der offenen Gärten und Höfe
"Unsere Stadt - wie sie war, wie sie ist, wie sie sein könnte". Unter diesem Motto bietet die Agendaprojektgruppe des Kunstvereins seit 2009 die verschiedenen Veranstaltungen für und mit Hockenheimer Bürgern an. Es soll eine aktive Beteiligung der Bürger ermöglicht werden. Mit dem Tag der offenen Gärten und Höfe bot die Projektgruppe nun eine Aktion an, die die Schönheit der Stadt in den Focus rückte. Die Vorsitzende Gisela Späth freute sich bei Ihrer Begrüßung über mehr als 60 Besucher - mit solch großem Interesse hatten die Besucher nicht gerechnet. Der ehemalige Bauernhof von Inge Rösch entpuppte sich als wahres Heimatkundemuseum. Der am Park gelegene Garten von Inka und Klaus Langlotz beherbergte eine große Anzahl unterschiedlich gestalteter Vogelhäuschen, Hedwig Winter bot den Besuchern eine mediterrane Augenfreude. Ellen Heer hatte in ihrem keinen Reihenhausgarten viele Stauden mit einem Bachlauf angelegt und Helga und Ulrich Auer öffneten ihren Hof und ihr langes Gartengelände mit vielen gemütlichen Sitzecken, Schwimmbad, Gemüse-, Kräuter- und Ziergarten. (Corinna Deiß)

Hockenheimer Woche 14.09.2011
Mit Kunst, Musik und neuen Medien - unter dem Titel "Meditation in drei Dimensionen" präsentierte der Kunstverein die Produktion von Anna Zlotovskaya und Claudia Späth beim stimmungsvollen Abschluss des Kunst- und Kulturprojekts in der Stadthalle. In einem Video wurden Werke der drei ausgestellten Künstler einbezogen und mit Playmusik und Lifemusik, Improvisationen von Claudia Späth auf dem Kontrabass, sowie eine Computeranimation über ein Bild von Peter Lang vorgeführt. Ein kunstgeschichtlicher Exkurs von Gisela Späth über das Thema "Können Bilder klingen oder wie klingen Bilder?" rundete diese Schlussveranstaltung ab...

Hockenheimer Tageszeitung 30.08.2011
Die Botschaft war so eindeutig wie simpel: Kunst ist, was sie ist! Kein Mehr und kein Weniger wurde in den Raum gestellt, als jetzt gleich drei Künstler im Rahmen des großen Kunst- und Kulturprojekts des Kunstvereins Hockenheim ihre Arbeiten präsentierten. Mit Peter Lang, Hans Michael Franke und Mario Klinger haben gleich drei Kreative Einzug in die Stadthalle gehalten, die so einzigartig wie symbiotisch sind, das diese gemeinsame Schau keine bessere Idee hätte sein können. Natur war und ist dabei das verbindende Element. Mario Klinger setzt dabei in Fotografien der Natur neue Grenzen. "Es sind die transzendentalen Fragen, die mich beschäftigen: Was steckt in der Natur, was liegt hinter dem Sichtbaren? Der Steinbildhauer Hans Michael Franke arbeitet nach dem "schwäbischen Konzept": Sparen und nicht mehr wegnehmen als nötig. Seine Visualisierungen entstehen im Arbeitsprozess mit der Kettensäge. Peter Lang war nach Südamerika gezogen und ließ sich von den Stimmungen der Natur und dem Licht inspirieren. Mittels Schlagschnur und Farbverläufen entstanden so Stimmungen auf Leinwand, die tiefer vermitteln, was beeindruckte Worte fassen können... In einem außergewöhnlichen Künstlergespräch zur Vernissage sondierte Moderatorin Sigrid Gensichen die Kraft der Gedanken, des künstlerischen Könnens und des Darstellungswillens... (Anke Koob)

Hockenheimer Woche 01.06.2011
Sphärische Flötenklänge umrahmten die 2. Kunstausstellung des Kunstvereins "Labyrinthe" im restaurierten Wasserturm. In ihrem Einführungsvortrag bezeichnete die Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte Günter Wagner als intellektuellen Künstler, für den der Mensch zwar nicht in figürlicher Darstellung, aber als unmittelbarer Bezugspunkt seines Schaffens gegenwärtig ist... Das Labyrinth gilt als Symbol der Sinnsuche der menschlichen Existenz. Günter Wagner hat in verschiedenen Werkreihen das in vier Quadraten entwickelte römische Labyrinth dargestellt sowie selbst entwickelte Labyrinthe, deren Wege nicht immer zum Zentrum der Anlage führen. Selten gelangt der Mensch gradlinig, also ohne Um- und Irrwege, ohne Sackgassen, die ihn zur Umkehr zwingen, zum Ende. Der Weg ist das Ziel... (Bernhard Gund)

Rhein-Neckar-Zeitung 05.05.2011
Der Kunst und Kultur seine Referenz erweisen, das wollte und tat Oberbürgermeister Dieter Gummer. Trotz dicht gedrängtem Terminkalender war Gummer in die Zehntscheune zur Eröffnung der neuen Ausstellung "Menschen - Bilder - Räume" des Kunstvereins gekommen. Die 1. Vorsitzende Gisela Späth zeigte sich hocherfreut über den hohen Gast. Die Einführung oberlag der Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte, die als Einleitung ein Gedicht von Kurt Tucholsky wählte "Augen in der Großstadt". Damit stellte Wehlte den Bezug zu den Bildern von Uwe Häßler her, die in ihrer Mehrzahl Gesichter zeigen. Gesichter, überwiegend dicht gedrängt. Eine Menschenmasse und doch jeder für sich von Einsamkeit umgeben. Die dunklen Farben unterstreichen den Ausdruck der Einsamkeit in der Masse, ... die hintergründigen Mienen zeigen Gesichtszüge eines "gelebten" Lebens. Über "gelebtes Arbeiten" geben die Tagebuchbildtafeln Häßlers Auskunft. Viele seiner Skizzenblätter zu den Gedanken, die er künstlerisch umsetzen wollte, verarbeitete er zu künstlerisch hochwertigen Bildern... (Sabine Sipos)

BAZ 02.02.2011
Ausstellung Künstlerinnen und Künstler der Metropolregion +
Es ist "Ein beeindruckender Querschnitt des Kunstschaffens in der Region", betonte Gisela Späth, als sie die erste übergreifende Kunstausstellung in der Zehntscheune eröffnete. 18 Künstlerinnen und Künstler waren eingeladen, ihre Werke in den altehrwürdigen Mauern der einstigen Scheune zu präsentieren... (Anke Koob)

Hockenheimer Tageszeitung vom 17.12.2010
...Umsetzung von Melodien, Passagen aus Partituren und Landschaftsimpressionen... zierliche Installationen aus Draht und Papier, die an dem lichtdurchlässigen Ort ihren vollen Reiz entfalten... echte Späths nach Sabine Sipos.

Hockenheimer Woche Nr. 50, 15.12.2010 (Ausschnitte)
Der frisch renovierte 100-jährige Wasserturm bildete Standort und Kulisse für die Ausstellung "Die Jahreszeiten im Wasserturm", eine Veranstaltung von Kunstverein und Stadtwerken. Ausgestellt werden Werke von Gisela Späth in zwei Stockwerken. In ihrer Begrüßung ging Martina Schleicher, die Leiterin der Stadtwerke, auf die Funktion des Wasserturms ein... In der unteren Etage hängen Tuschearbeiten aus der Serie "Rhythmus, Linie, Komposition"... Im zweiten Wasserturmgeschoß sind die Arbeiten in der Größe 3 auf 5 Meter eng mit dem Wasserturm verbunden, denn sie wurden hier gemalt. Nun hängen sie in den acht Feldern es Wasserturmrunds und verdeutlichen den nicht endenden Kreislauf der Natur im Wandel der Jahreszeiten...

BAZ 06.11.2010
Großen Applaus erhielten die beiden Künstler, die in der vergangenen Woche die Zehntscheune in Hockenheim bei ihren ersten Schritten zum neuen Musentempel der Stadt begleiteten. Keine Geringeren als der Schwetzinger Fotokünstler Jessen Oestergaard und der Berliner Bleistiftkünstler Alexander G. Lazich-Hill hatten ihre ARBEITEN DEM Kunstverein Hockenheim zur Verfügung gestellt, um hier die erste Vernissage seit der Eröffnung des Gebäudes zu feiern. Mit Erfolg, wie die Gäste der Ausstellungsparty feststellen konnten, zeigten doch die beiden Künstler unter einem Dach ihre ganz eigenen Vorstellungen von der Weiblichkeit, ihre Annäherungen an das Wesen, seine Unschuld und seine Sinnlichkeit in ihrer Transparenz und zugleich drängend Irdischem. Kunstvereinsvorsitzende Gisela Späth und der Vertreter des Oberbürgermeisters, Ernst Bohrmann, zeigten sich erfreut, dass dieses alte, neue Gebäude zu einem Ort der Begegnung werde…. Jessen Oestergaard lädt ein, in die Welt hinter dem Nebel einzutauchen und die Ästhetik des Augenblicks zu erleben. Der Maler Alexander G. Lazich-Hill stellte sich der immer wiederkehrenden Herausforderung "Frauen", deren Schönheit und Anmut. In akribisch ausgeführten Strichen, einzig mit zwei verschiedenen Bleistiftstärken, ließ er die Plastizität entstehen, die Realismus vorgaukelt. Dies betonte Dr. Martina Wehlte-Höschele, die in das Werk der beiden Künstler einführte. (sa)

Hockenheimer Tageszeitung vom 23.03.2010
Großplastik "Käfer" bereichert den Gartenschaupark / Erinnerung an einen Mythos
Symbol gegen den Pessimismus
"Den VW-Käfer nehme ich von der funktionalen Straßenebene in mein Kunst-Haus und stelle ihn darin auf einen Sockel - gleich anderen großen Deutschen": Die Hommage des Bildhauers Georg Seibert an ein deutsches Symbol ist derzeit im Gartenschaupark zu bestaunen.
In gelungener Zusammenarbeit von Kunstverein, Stadt Hockenheim und Parkanlagen Hockenheim GmbH wurde die neue Attraktion in die Rennstadt gebracht. Zuvor stand die fünf Meter lange und vier Meter hohe Skulptur am Haupteingang der Kunstmesse ART in Karlsruhe.
Auslöser für die Aktion war das Angebot der Galeristin Ursula Keller aus Mannheim, mit der die 1. Vorsitzende des Kunstvereins Hockenheim, Gisela Späth, seit Jahren eine vertrauensvolle Zusammenarbeit pflegt, diese Skulptur, wenn gewünscht und möglich, für einige Monate in Hockenheim aufzustellen, bevor sie wieder in die Nähe von Potsdam transportiert wird. ... Gisela Späth freut sich nicht nur, dass die Stadt zusammen mit der Parkanlagen GmbH schnell entscheiden konnte, die Skulptur im Gartenschaupark aufzustellen, sondern auch, dass das Autohaus Burgmeier den Transport von Karlsruhe nach Hockenheim sponserte und bereit ist, den "Käfer" nach einigen Monaten auf ihrem Vorplatz als Leihgabe im Talhaus aufzustellen. ... "Am Käfer konnte der Mensch reflektieren, wie eine Idee und ein dazu gehöriges Objekt zur Motivation des Nutzers führen kann." (Weitere Erläuterungen über Idee und Intension zur Skulptur vom Bildhauer Georg Seibert)

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) vom 06.03.2010
Ein alter Käfer steckt fest in einem monumentalen Drahtgestell. Fünf mal vier Meter groß ist die Installation von Georg Seibert, die auf dem Vorplatz der Karlsruher Messe die Besucher begrüßt. Die Mannheimer Galerie Keller hat sie dort aufgestellt. In diesen Zeiten gibt es den "Stillstand" auch in klein für 4000 Euro. Ob der Künstler damit ausdrücken will, dass nur die Industrie aktuell ein Problem hat oder auch diese Messe irgendwie festsitzt, bleibt ein Geheimnis. ....

Hockenheimer Tageszeitung vom 14.08.2009
Jeden Schwierigkeitgrad gemeistert
Es ist schon fast Tradition, dass Leonard Schlüter, der am Mozarteum in Salzburg in der Solistenklasse von Karl-Heinz Kämmerling studiert, in seiner Heimatstadt in der Jahresausstellung in der Stadthalle eine Kostprobe seines pianistischen Könnens gibt. Die zahlreich erschienenen Besucher kommen zum großen Teil seit Jahren, um die Entwicklung dieses pianistischen Ausnahmetalents zu verfolgen.
In diesem widmete Schlüter einen Teil des Programms den "Jubilaren" Felix Mendelssohn-Bartholdy und Joseph Haydn. Mit den "Sechs Liedern ohne Worte op. 30" begann er leise, ruhig und unspektakulär. Doch nach wenigen Takten hatte Schlüter seine Zuhörer in den Bann seiner Kunst gezogen. Jedem Lied hauchte er stil sicher und mit großer Musikalität seine eigene Seele ein. So fühlt man sich beim "Venezianischen Gondellied" wie in einer Gondel über das Wasser dahin gleiten, von einigen trillernd -schimmernden Sonnenstrahlen berührt.
Eine ganz andere pianistische Seite zeigte Schlüter mit Rondo Capriccioso op. 14, ebenfalls von Mendelssohn-Bartholdy. Nach einem schwärmerischen Beginn öffnete er seinen "Virtuosenkoffer" und zauberte in halsbrecherischem Tempo Tonkaskaden, Terzentriller und Arpeggien, um schließlich in gewaltigen Oktaven die Spannung bis auf den Höhepunkt zu treiben. Tosender Applaus und Bravos für diesen musikalischen Leckerbissen.
(Jedes Detail ausgespielt) Dazwischen erklang Musik von Joseph Haydn, eine sehr selten gespielte Sonate in Es-Dur Hob. 45 aus dem Jahr 1766 und ein frühes, aber keinesfalls harmloses Werk. Es zeigt bereits alle Züge eines "echten" Haydn. Erfrischend natürlich, auf das Ausspielen jeder einzelnen Kleinigkeit bedacht, interpretierte Schlüter diese vielgestaltige Sonate: Im ersten Satz stehen sich rhythmische Prägnanz und Grazie gegenüber, im zweiten Satz überwiegt das lyrische Element und im dritten Satz schließlich begeistert uns der Pianist mit Humor und Virtuosität. Dass er dabei im wahrsten Sinn des Wortes "jeden Ton trifft", ist für einen Musiker seiner Klasse selbstverständlich.
Nach der Pause stand Musik von Franz Schubert auf dem Programm. An dem Impromptu in B-Dur op. 142 hat sich so mancher fortgeschrittene Klavierspieler schon versucht, um so mehr erfreute es die Zuhörer, dieses Werk einmal "meisterlich" zu hören. Leonard Schlüter spielt nicht nur Klavier, er zeigt den Zuhörern, was zwischen den Noten steht. Er gibt jeder Variation ihren eigenen Charakter. Er lotet den Klang aus, lässt die Melodie über pianissimo gehaltenen Begleitstimmen schweben, ohne jedoch die metrische Struktur der einzelnen Variationen ins Wanken zu bringen. Perlende Geläufigkeit in der letzten Variation sind ein krönender Abschluss dieser Interpretation.
Den Höhepunkt dieses Konzertes bildete die Phantasie in C-Dur op. 17 von Robert Schumann, das sicherlich bedeutendste Klavierwerk des Komponisten und eines der schwierigsten Werke der Klavierliteratur überhaupt. Der 26-jährige Schumann widmete dieses Werk Franz Liszt: "Das kühnste und freieste Werk muss dem kühnsten und freiesten unter den Klavierspielern gehören". Das Hockenheimer Publikum war gespannt, wie sich der 20-jährige Leonard Schlüter diesem bedeutenden Werk näherte und ihm gelang eine Meisterleistung. Kühnheit und Freiheit kombinierte er mit Intelligenz und Brillanz, mit Emotion und Melancholie. Leonard Schlüter bot eine leidenschaftliche, kraftvolle und phantastische Interpretation des Werkes.
(Schlafwandlerische Sicherheit) Selbst die schwierigsten Passagen und Sprünge meisterte er mit schlafwandlerischer Sicherheit. Und auch wenn er leise spielt, um dann noch leiser zu werden, und dann wie aus dem Nichts noch einen Ton zu hauchen, bekamen die Zuhörer das Gefühl, seine Fähigkeiten gehen wie in der Ausstellung der bildenden Künstler "GEGEN UNENDLICH".
Begeisterte und ergriffene Zuhörer brachten dem sympathischen jungen Pianisten Standing Ovations entgegen.

Hockenheimer Tageszeitung vom 10.08.2009
Elfenhafte Geigerin verzaubert Kunstraum
Trotz sommerlicher Temperaturen erklingt Vivaldis "Winter" aus den Vier Jahreszeiten". Anna Zlotsovskaya nimmt Violine und beginnt zu spielen und sich im Raum zu bewegen. Einige Stühle bilden ein Kreisrund in der Mitte, andere stehen an der Wand. Ballerinenhaft leicht schlüpft sie zwischen den Metallskulpturen der Bildhauerin Angelika Summa hindurch und bespielt die harten Kontraste der hinter Zäunen eingepferchten Menschen auf der Insel Lampedusa, die Akimo in seinen Bildern verewigte. Anna Zlotsovskaya setzt sich elfenhaft wie auf einen Waldboden zwischen drei Sinnkugeln von Summa und gibt danach dem Boden energische Tanzschritte durch den Raum, um die Besucher zum Mittanzen und Bewegen auf zu fordern, nimmt mit kurzen Pizzikati Kontakt zu Akimos zarten Frottagen auf ... und lässt schließlich die sphärischen Klänge von Ysaye und Improvisationen erklingen. ... "Fantastisch, grandios, märchenhaft schön" jubeln ihr die Kunstfreunde zu. ... Gisela Späth bedankte sich für die außergewöhnlichen Finissage bei der "Zauberin" aus Moskau, die einige Jahre 1. Geige am Bolschoj-Theater spielte und 2007 mit dem Leopold-Preis ausgezeichnet wurde und jetzt als freischaffende Geigerin in Deutschland lebt. Die Vorsitzende freute sich, dass der Kunstverein mit diesem umfangreiches Projekt "Gegen unendlich" den Kunstfreunden wieder etwas Besonderes bieten konnte.

Hockenheimer Tageszeitung vom 31.07.09 (Ausschnitt)
Neue Wege mit "Kunst nach Feierabend" - Chillen mit Kunst und Lachsbroten
Sanft säuselt die Musik gespielt von Fritz Steidel auf dem Klavier und seinem Zwillingsbruder auf dem Vibraphon im Hintergrund. Kunstliebhaber sitzen in geselliger Runde, lassen sich von Bachklängen oder der Love Ballade in den Feierabend tragen, essen Fingerfood oder Lachsbrote, trinken ein Bier, plaudern und entspannen, umgeben von Malereien und Skulpturen. ... Diese Veranstaltung soll Kunst - Genuss und -Anregung sowie Entspannung bringen, erläuterte Gisela Späth, 1. Vorsitzende und zuständig für Konzeption und Leitung dieses kunst- und Kulturprojekts bei Ihrer Begrüßung. Dass Kunst immer die Kommunikation fördert, ist erwiesen, und wenn andere gerade wellnessen, chillen die Freunde der Kunst eben auf diese Weise. "Ich bin begeistert, wie viele gekommen sind", meinte Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen, die zwischen Getränkebestellung und den gebrachten Speisen durch die Ausstellung führte. ...

Hockenheimer Tageszeitung vom 22.07.2009 (Ausschnitte) von unserer Mitarbeiterin Sibylle M. Derr
Futuristische Visionen einer Welt aus Metall
Man könnte sie für Wesen eines anderen Planeten halten. Mit Oskar Schlemmers Triadischem Balett haben sie allenfalls die pompöse äußere Hülle gemein. Körperskulpturen, die zu futuristischen Klängen von Markus Wimmer erschienen, in einem Rock aus feinmaschigem transparentem Edelstahlgewebe, die Brust von einem silbernen Metallgitter zusammengepresst, die ihrer Trägerin im gehäkelten Kapuzenkabelkleid aus verknoteten Kunststoffröhren Trippelschrittchen abnötigten, die sich schwer mit Aluminium- und Eisendrähten auf die Schultern eines mächtigen Körpers legten, die im gewebten Kupferblechkleid mit langer Schleppe für ungemein große Körperwärme sorgten. Kein Zweifel, diese monströsen Kleider zu tragen, war kein Vergnügen. Am meisten Bewegungsfreiheit erlaubte da noch der golden schimmernde Messingdraht, der an die üppige Behaarung von Urmenschen erinnerte. ...
Mit dieser ungewöhnlichen "Modenschau" untragbarer "Kleidungsstücke" eröffnete der Kunstverein Hockenheim seine Jahresausstellung 2009 in der Stadthalle, die Werke zweier Künstler aus dem "Malerfürstentum Wredanien" (Würzburg) vereint: Metallskulpturen von Angelika Summa und Malereien von Achim Schollenberger mit dem Künstlernamen Akimo. Ein Highlight, wie die Vorsitzende Gisela Späth meinte, eine Attraktion, und außergewöhnliche Zeugnisse künstlerischer Schaffenskraft, um mit OB-Stellvertreter Ernst Bohrmann zu sprechen, der den Verein lobte, Künstler nach Hockenheim zu bringen, die "Einzigartiges, Unverwechselbares produzieren".
Angefangen hatte bei Akimo alles mit dem Phänomen der Masse, das er eifrig erforschte. Nicht als Soziologe oder Verhaltensforscher, sondern als kritischer Individualist, als "Freigeist", wie er sich selbst bezeichnet. Der Intellektuelle, der Denker mit politischem Willen, fand das Massenphänomen bei Fischschwärmen ebenso vor wie bei Massendemonstrationen, bei Flüchtlingen wie den Boat People oder den hinter Zäunen eingepferchten Afrikanern auf der Insel Lampedusa. Als Chiffre für den einzelnen Menschen dienen Akimo Strich und Kreis - gewonnen aus einer reduzierten Szene eines arabischen Marktes mit seinen vielen Turbanen, die er vor vielen Jahren malte. "Auf Strich und Kreis baut mein Weltbild auf", sagt Akimo, der Konzeptkünstler, dessen Lebenslauf sich wie ein langer Speisezettel von Berufen liest: Er studierte Kunstgeschichte und Sinologie, arbeitete als Volleyball-Lizenztrainer, Designer für Sportkletterschuhe, Musiker und Buchillustrator, Karikaturist und Rundfunkmoderator in Italien, wo er sich seinen Spitznamen "Akimo" einhandelte, weil sich dieser von seinen italienischen Freunden besser aussprechen ließ als "Achim". ...
Die Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen: Die Bilder leben von dem Gewirr von Strichen und Kreisen, die sich "Gegen unendlich" bewegen und die sich häufig erst aus der Entfernung entschlüsseln lassen. Angelika Summa geht ganz anders vor. Die virtuos verarbeiteten Metallskulpturen, die menschlichen Konstellationen wie "Beziehungskiste", "Unruhekissen" oder "Ruhm-Kugel" thematisieren, wollen gar nicht geschmeidig sein. Mit ihren aufwendigen Körperskulpturen hebelt Summa den Topos "Von allen Seiten schön" - wie er seit der Renaissance für Bronzeplastiken galt - frech auf. Wenn ihr Träger in die Körperskulptur steigt, kann er sich nicht um sich selbst bewegen. "Die Körperskulpturen sollen die Distanz aufheben", erklärt Summa. ...

"Chinesische Tuschemalerei". Workshop mit Xiaolan Huangpun / Unterscheidung zwischen dem "schnellen" und "langsamen" Papier
Konzentration mit lockerem Pinsel
Alle Augen heften sich auf Xiaolan Huangpu, der eine Woche lang in Hockenheim zu gast ist und einen Workshop in chinesischer Tuschemalerei gibt. Er stammt aus dem reich der Mitte, wurde 1958 in Shangqou geboren und lehrt jetzt seit 1998 in der pädagogischen Universität Liaoning in Dalian.
Die Tuschemalerei stammt aus dem alten China und ist eng mit dem Weltbild des Daoismus verbunden. Zu den obersten Grundsätzen zählte es, im Einklang mit der Natur zu leben. Nicht nur darin waren die Chinesen den Europäern weit voraus.
Sie erkannten früher als jede andere Hochkultur, dass nur eine Balance von weiblichen Anteilen (Ying) und männlichen (Yang) zu Harmonie führen kann. Während der Tang-Dynastie (618-907 nach Christus) bildet sich die chinesische Tuschemalerei heraus. Landschaften, Blumen und Pflanzen rückten in den Fokus der Malerei. Sie wurden meist in schwarzer Tusche gemalt.
Nur die obersten Würdenträger, etwa der Kaiser, ließen Bilder mit kostbaren Farben aus Naturpigmenten herstellen. Hochrangige Persönlichkeiten des Staatswesens befleißigten sich nicht selten selbst dieser anmutigen und dennoch sehr hochkonzentrierten Kunstform. Heutige Topmanager gehen in der Abgeschiedenheit von Zen-Klöstern immer öfter dieser geruhsamen und zeitaufwendigen Methode nach, um sich wieder ins lot zu bringen.
Den Kurs von Huangpu hier in Hockenheim besuchen vor allem berufstätige Frauen, aber auch ein Musiker und eine Mutter mit ihrem Sohn. Sie haben sich im Untergeschoß des Kindergartens St. Maria ausgebreitet und können es nicht erwarten, den ersten Strich zu tun.
Zuerst erklärt Huangpu die verschiedenen Techniken. Soll das Motiv möglichst schwarz erscheinen, nutzt man die Spitzen des mit Tusche getränkten Pinsels. Soll der zu zeichnende Gegenstand breit und heller aufgetragen werden, verwend3et man den fülligen teil, der mehr Wasser enthält als die Spitze. Auch verschiedene, zu Anfang angerührte Konsistenzen - mehr oder weniger stark wässrige Tusche, erzielen den gewünschten Effekt. In Windeseile fertigt Huangpu ein Bild an. Er beginnt mit den Bambusstöcken, die in Segmente unterteilt werden. Eine Kursteilnehmerin lässt sich zu der Assoziation hinreißen: "Wie menschliche Knochen, die untergliedert sind".
Ruhe kann ansteckende sein. Mit seiner über 30 jährigen Erfahrung ist Xiaolan Huangpu ein meister seines Fachs. Schon ein Blick über seine Schulter, während er arbeitet, ist eine Wohltat. Man hat das Gefühl, das sich etwas von der lockeren, bewegungsreichen und doch so konzentrierten Arbeitsweise auf einen selbst überträgt und wird unmerklich ruhiger. Auch die anderen Workshopteilnehmer verstummen zusehens. Zum Schluss sagt Huangpu: "Ich werde euch nicht meine Sicht der Dinge aufdrängen. Wenn ihr meinen rat wollt, müsst ihr mich zu euch bitten.
Der vertraute Umgang mit der Technik ist das A und O. Erst wenn diese sitzt, gehorcht das material dem Künstler. Hedwig Ruder und marga Fedder beginnen damit, ihre Bildträger anzufertigen.
Schneiden mit der Schere ist auf jeden Fall tabu. Stattdessen wird ein dünner Pinsel mit Wasser getränkt, ein Strich gezogen und das Papier in zwei Teile getrennt. Bevor es weitergeht, zeigt der Meister, was es mit "schnellem" und "langsamem" Papier auf sich hat. Grundsätzlich besteht5 der Bildträger aus einer Mischung Reis, Bambusblätter und Schilf, die mit Alaun gekocht werden. So genanntes "schnelles Papier" unterscheidet sich von "langsamem" dadurch, dass es die Tuscheflüssigkeit sehr schnell aufsaugt. Seine Konturen verschwimmen ähnlich wie beim Aquarell. Diese Eigenschaften werden dem weiblichen Ying -Prinzip zugeordnet, während scharfe Zeichnungen dem Yang folgen. Nach dieser ausführlichen Einführung können die Kursteilnehmer loslegen. Gisela Heinzelmann tut sich anfangs noch schwer. "Der Pinsel hat keine gute Qualität", meint sie. Söhnchen Felix zeigt seiner Mutter, wie sie den Pinsel zu halten hat. "Schau Mama, wie Essstäbchen". Gisela Heinzelmann ist glücklich, diesen Kurs mit ihrem Sohn zu belegen. Felix ist mit Feuereifer bei der Sache. Wenn der Meister etwas erklärt, guckt er ihn mit großen Augen der Bewunderung an. E verhält sich unbewusst ganz im Sinne des konfuzianischen Weltbildes, das dem Schüler gebietet, den Meister zu verehren. Nach einer Reise ins Reich der
Mitte letztes Jahr ist der zwölfjährige Feuer und Flamme für diese jahrhunderte alte Hochkultur.

Hockenheimer Tageszeitung vom 08.07.08
"Curriculm vitae": Bemerkenswerte Kunstausstellung von ehemaligen Gauß-Schülern im Wasserturm demonstriert prägenden Einfluss der Kunst
Kreative Klasse weitet den Blickwinkel
Die vom amerikanischen Wissenschaftler Richard Florida entwickelte Wirtschaftstheorie der "Kreativen Klasse" besagt, dass der bedeutendste Faktor für ökonomische Entwicklung einer Gesellschaft deren "kreative Köpfe" sind. Dabei weitet er den Blickwinkel dafür, wer dieser "Creative Class" angehört, deutlich: Kreativer Output, der dazu führt, dass Innovationen entstehen und Prozesse verbessert werden, finden sich überall in der Arbeitswelt.
Am vergangenen Samstag eröffnete der Hockenheimer Kunstverein in enger Kooperation mit den Stadtwerken und dem Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium eine bemerkenswerte Kunstausstellung, die den markanten Einfluss der Kunst auf die "Kreative Klasse" der Rennstadt eindrücklich vor Augen führt: Gemeinsam mit ehemaligen Absolventen ihrer Kunst-Leistungskurse hatte die im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedete Kunstlehrerin Karin Ohme im Wasserturm eine Werkschau zusammengestellt, die den prägenden Einfluss der Kunst- und des Kunstunterrichts in der Schule - auf den Lebens- und Berufsweg junger Menschen demonstriert.
Wichtigkeit Bildender Kunst
Unter dem Titel "Curriculum vitae" schafften die sechs Künstler gemeinsam eine selbstverständliche, fast unausweichlich wirkende Verschränkung der Symbolkraft des Hockenheimer Wahrzeichens mit der dann einquartierten Kunst: Es hätte gar nicht der erfrischend klugen einführenden Worte des Leiters der Hockenheimer Stadtwerke, Siegfried Ferling, oder der Kunstvereins-Vorsitzenden Gisela Späth bei der von derzeitigen Gaußschülern so charmant gestalteten Vernissage bedurft, um den Bogen zu schlagen zwischen dem Kreislauf des Wassers, seiner existentiellen Wichtigkeit als Lebenselixier und den Lebensläufen der ausstellenden Künstler, die an so zentraler Stelle nach vielen Jahren der eigenständigen Entwicklung wieder dort zusammentreffen, wo sie einst in ihrer Ausbildung schon einmal vereint waren.
Mit "Curriculum vitae" wollte die Kunstpädagogin Karin Ohme noch einmal die Diskussion anstoßen, ob - sowohl bei Schülern, als auch bei Eltern und Lehrerkollegen - die Wichtigkeit des Faches Kunst noch in ihrer ganzen Tragweite für die persönliche, aber auch die berufliche Entwicklung erkannt und geschätzt wird.
Das ist in besonderem Maße gelungen: Nicht nur, dass die Gesamtzusammenstellung eine Begegnung aller Kreativen auf einer Augenhöhe manifestiert; sie verdeutlicht vor allem, dass Kunst sich nicht im Betrachten und versuchten Verstehen von Exponaten erschöpft, sondern dass sie elementaren Einfluss auf alle Lebensbereiche nimmt.
Diese Idee zieht sich einem roten Faden gleich entlang der schmalen Treppen von der Basis bis hinauf in die große Wassertasse des "Spargels".
Im Entree gibt der freie Künstler und vorrangig als Grafiker und Maler bekannte Peter Hock in großdimensionalen Bildausschnitten, die sich - real ganz zweidimensional - visuell plastisch in den Raum hineinwölben, dem Turm ein organisches Innenleben, das Adern, Runzeln und Narben gleich in einer sprechenden Manier mit den vorhandenen tatsächlichen "Narben" der Wände korrespondiert und die Lebenszeit des Bauwerks ebenso wie dessen vitale Symbolkraft betont.
Kategorien-Fünfklang
Karin Ohme selbst, die neben ihrer Lehrtätigkeit stets als Künstlerin arbeitete und im Kategorien-Fünfklang der Künstler die Malerei und Plastik vertritt, nahm einerseits dieses Konzept des Dialogs mit dem Raum auf, indem sie die Bilder auswählte, die wirken, als habe man dem betagten Gemäuer mit einer fokussierenden, scharf zeichnenden Lupe seine Lebenslinien entlockt, zusätzlich zeigt sie in der Mitte der Zwischenetage eine sich zart entblätternde Tonplastik, die sich dem darüber befindlichen Wasserkessel zuzurecken scheint und auf eine fesselnde Art die Fantasie anregt, wie ein Rinnsal aus dem Druckbehälter sich wohl darin verteilen würde.
Wie geistige Lockerungsübung schieben sich die Exponate des in Heidelberg lebenden Pädagogikstudenten und Fotografen Thomas Rey und die des heutigen Hamburger Kommunikationsdesigners und Art Direktors Dirk Rohe dazwischen: Humorvoll betrachtet der eine die Welt, verschiebt sie gerne in ein skurriles und doch charmant nahe liegendes Symbol-Sein, wenn er aus Schoko-Dominosteinen und Krokant die "Heilige Nacht" nachbaut, in der Maria und Josef von Gummibärchen markiert werden.
Dirk Rohe öffnet im "Lichtraum" des Turms mit Motiven aus Promotions-Aktionen und berufspraktischen Beispielen wie Visitenkarten und Logos die Augen dafür, wie künstlerisch-kreative "Produkte" in oft so banal konsumierten Kampagnen die Wahrnehmung der Menschen beeinflussen und lenken.
Der heute in Bonn lebende Architekt Johannes Beeh führt - entlang einiger seiner baulichen Meilensteine - hinauf in den Druckkessel, in dem er mit einer audiovisuellen Installation den 1979 außer Dienst gestellten Wasserturm wieder zu neuem Leben erweckt: Mit auf die Kesselwände projizierten Kamerablicken vom Turm herunter kehrt er gleichsam das Innere des Wahrzeichens nach Außen, macht die Wände des massiven Baus transparent für das Leben draußen, das er gleichzeitig über die Stadt und den Erdkreis zu ergießen scheint.
Wie eine Klammer verband der aus Duisburg stammende Musiker und Liedermacher Tom Liewa (bekannt geworden vor allem mit der Band "Flowerpornoes") die verschiedenen Ebenen mit abstrakten, teilweise deutlich meditativen Klängen und Gesängen, die - mal leise aus der Ferne, mal ganz präsent und gegenwärtig - dazu einluden, den Augenblick in seine Spiritualität wahrzunehmen.
Diese Werkschau ist eingebunden in die zeitgleiche Exhibition des Wiesbadener Künstlers Bernd Brach, die unter dem Titel "Trost & Hilfe" um das Thema Erinnern kreist, und der Werkschau "Gauß-ART-iges" mit Arbeiten aktueller Schüler des Gymnasiums - ein Dreiklang, der unendlich viele Geschichten zu erzählen weiß.
(mhw)

Hockenheimer Tageszeitung vom 22.07.07
Klangästhet am Klavier mit immer neuen Farben und Schattierungen
Pianist Leonard Schlüter gab Konzert beim Kunstverein / Mit großer Spielfreude musikalischen Genuss geboten
Ein ganz besonderer musikalischer Leckerbissen erwartete die zahlreich erschienenen Musikliebhaber, die der Einladung des Kunstvereins gefolgt waren. Der 18-jährige Pianist Leonard Schlüter gab im Rahmen der Ausstellung "Farbe, Linie, Netzwerke" mit Arbeiten von Rainer Nepita und Reinhard Scherer einen Klavierabend in der Stadthalle. Die 1. Vorsitzende des Kunstvereins, Gisela Späth, freute sich ganz besonders, dieses pianistische Ausnahmetalent bereits zum dritten Mal zu einem Konzert begrüßen zu dürfen.
Der junge Künstler, ehemaliger Schüler des Gauß-Gymnasiums, ist seit Oktober 2006 einer der jüngsten Studenten des Mozarteums in Salzburg. Zahlreiche Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben brachten ihm im vergangenen Jahr eine Einladung zum internationalen Steinway-Musikfest als bester Nachwuchspianist Deutschlands ein.
Leonard Schlüter begann seinen Vortrag mit Sonaten von Domenico Scarlatti (1685- 1757). Aus den 550 Sonaten, die Scarlatti ursprünglich für das Cembalo komponierte, wählte Schlüter vier Sonaten von unterschiedlichem Charakter aus. Jeder einzelnen hauchte er "con spirito" - Geist ein - stilvoll, lebendig, sorgsam artikuliert und mit großem Klangsinn.
Es folgte die Sonate C-Dur op. 53 von Ludwig van Beethoven (1770-1827), die sogenannte Waldsteinsonate. In dieser Sonate hat Beethoven den Gipfelpunkt pianistischer Entfaltung erreicht. Es ist eine der bevorzugten Konzertsonaten und deshalb nicht verwunderlich, dass Schlüter, der bereits mehrfach für seine Beethoven-Interpretation ausgezeichnet wurde, sich dieser großen Sonate annahm.
Und wie er das tat! Er verfügt über eine brillante Technik, die es ihm ermöglicht, alle seine musikalischen Vorstellungen am Klavier umzusetzen. Da werden Tonleitern, Arpeggien und Terzen mit Spannung geladen, der Hörer wird mitgenommen auf großen melodischen Bögen - sei es im forte oder im piano, im schnellen oder langsamen Tempo. Schlüter ist ein Klangästhet - er entlockt dem Flügel immer neue Farben und Schattierungen, seine Palette an Gestaltungsmöglichkeiten ist schier unerschöpflich, was er auch im zweiten Teil des Konzerts unter Beweis stellte. Nach der Pause erklangen sechs Tänze in südamerikanischem Kolorit, temperamentvolle Musik, in der Schlüter eine völlig andere Seite von sich zeigen konnte. ....Variationen und Fuge über ein Thema von Händel op. 24 von Johannes Brahms (1833-1897) beschlossen das Konzert. Dieses Werk stellt sehr hohe und vielfältige Ansprüche an den Interpreten, Ansprüche, denen Schlüter technisch und musikalisch absolut gerecht wird. Meisterlich bewältigt er die Schwierigkeiten und gibt jeder Variation ihren eigenen Charakter, ob kraftvoll, lyrisch oder feierlich: immer typisch Brahms. Die Variationen gipfeln in einer Schlussfuge, bei der Schlüter eindrucksvoll zeigen konnte, welche unglaubliche Spannung er musikalisch aufbauen kann.
"Bravo" - Rufe und Standing Ovations wurden dem sympathischen jungen Künstler vom begeisterten Publikum entgegengebracht. Dieser bedankte sich für den Applaus und die Geschenke mit einer Zugabe, von welcher er verschmitzt meinte, alle im Saal müssten das Werk kennen, dessen Namen er aber schließlich doch noch verriet, es war der berühmte "Schwan" aus dem Carneval der Tiere in einer Klavierbearbeitung.
(Sa/bhe)

Hockenheimer Tageszeitung, 13.07.08 (Ausschnitt)
Raum und Fläche im spannenden Dialog
Kunstverein. "Farbe, Linie, Netzwerke" präsentiert Maler Nepita und Stahlbildhauer Scherer
Wenn zwei Künstler mit ihren Werken aufeinandertreffen, die sich bisher nur aus der Ferne kannten, ist das ein spannender Dialog, ... weil sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede plötzlich genauer fassen lassen, was immer mit einer Intensivierung im Verständnis der einzelnen Künstler einhergeht. ...Was aber macht die Künstler aus, wo liegt das Spezifische eines jeden, wo das Besondere in ihrem Zusammenwirken? In ihrer fachkundigen Einführung nahm die Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen die Vernissage-Besucher an die Hand und lieferte interessante Interpretationsansätze. "Eine Skulptur muss im Wege stehen". Mit diesem Zitat von Gisela Späth, Vorsitzende des Kunstvereins und künstlerische Leiterin, näherte sich Sigrid Gensichen den Arbeiten von Reinhard Scherer. Seine Skulpturen bestehen aus Corten-Stahl, einem Bau- und Industriestahl, der kontrolliert rostet und eine lebendige Oberfläche aufweist. Stahlplatten sind das Grundelement für den "Meister des sperrigen Materials", sie walzt er, biegt er, schweißt er, aus ihnen lässt er seine schweren und vom Eindruck her doch für den Betrachter doch luftigen Skulpturen entstehen. Schwere versus Leichtigkeit, Stahl versus filigrane, große Raum um- und einfassende Formengebilde - diese Gegensätze schafft Scherer im Balanceakt miteinander zu vereinen. ...Das Geheimnis Malers und Lyrikers Rainer Nepita ist ein anderes. Mit seinen großformatigen Bildern in leuchtenden Farben und Formen aus Linien assoziierte Sigrid Gensichen "Sommer, Licht und Sonne". (K)ein Maler der Abstraktion? Die Kunsthistorikerin erklärte, warum Nepitas Werke eben "keine spontanen Äußerungen subjektiver Innenwelten" sind, sondern "ihr Fundament im Gegenständlichen der Natur haben". Rainer Nepita beherrscht das "Alphabet der Natur", sprich: Er schaut sich die Natur an, hält sie in Skizzenbüchern fest (von denen er mittlerweile um die 100 besitzt), und bringt sie dann, auf ihre Konturen reduziert, auf die Leinwand. Was zunächst wie Abstraktion anmutet, ist in Wirklichkeit, und darin hat es der Künstler zu wahrer Meisterschaft gebracht, nichts als die in radikaler Auslassung dargestellt Natur. Und hier sah Sigrid Gensichen auch die Gemeinsamkeiten zwischen den Künstlern: Beide Werke vereine eine "formale Reduktion", die für den Betrachter einen "Deutungsspielraum" eröffne und ihn somit teilhaben lasse am "schöpferischen Prozess des Künstlers".
(Elke Seiler, Mitarbeiterin der HTZ)

Hockenheimer Tageszeitung, 05.08.06
(Dialog: Skulptur, Raum, Malerei mit Jörg Bach und Konrad Hummel)
Jahresausstellung des Kunstvereins ein großartiger Erfolg
Die kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung des Kunstvereins in der Stadthalle, bei der Skulpturen aus Cortenstahl des Bildhauers Jörg Bach im Dialog mit Bildern des Malers Konrad Hummel zu sehen waren, kann als großartiger Erfolg bezeichnet werden, sowohl was die Qualität der gezeigten Exponate anbelangt, die auf hervorragende Resonanz beim Publikum stießen, als auch die vielfältigen, beziehungsreich ausgewählten begleitenden Veranstaltungen, die zahlreiche interessierte Besucher anlockten. Musik, Literatur, Tanz und Performance erweiterten und ergänzten den Dialog von Skulptur, Raum, Malerei. Ausstellungsleiterin Gisela Späth, die das Konzept entwickelt hatte, nutzte zum Abschluss der Finissage die Gelegenheit, einen kurzen Rückblick zu geben auf drei ereignisreiche Wochen, gespickt mit etlichen Highlights.
Als besonders glücklichen Umstand stellte sie die angenehme Zusammenarbeit mit den zwei Künstlern Jörg Bach und Konrad Hummel heraus. Gemeinsam gelang ein gutes Raumkonzept trotz schwieriger Raumverhältnisse. Die lackierten Objekte aus Cortenstahl wurden von Jörg Bach zum Teil extra für diesen Raum gearbeitet. Und die Bildserien von Konrad Hummel mit ihren fein abgestuften Grautönen setzten sich trotz der kräftigen Raumfarben ins rechte Licht. Mit ihrem hohen künstlerischen Standard hinterlässt diese Ausstellung eine nachhaltige Wirkung. Sie löste spontane Diskussionen aus und entlockte fachkundigen Besuchern ein großes Lob.
Gelungen bezeichnete Gisela Späth auch die Mischung aus professioneller Leistung und ehrenamtlichen Tätigkeiten.
So hat die Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen die Ausstellung mit ihrem fundierten Wissen begleitet. Ihre Eröffnungsrede, sowie zwei überaus ausführliche und lebendige Führungen und der kunsthistorische Vortrag zu dem Thema "Dialog der Künste" waren eine große Bereicherung.
Zu einem erreifenden Erlebnis wurde auch das Klavierkonzert mit dem jungen und vielfach preisgekrönten Pianisten Leonard Schlüter. Mit der virtuos vorgetragenen Sonate G-Dur von Ludwig van Beethoven, der Toccata in C-Dur von Robert Schumann und den einfühlsam gespielten Symphonischen Etüden, sowie der Fantasie in c-moll von W. A. Mozart bot er ein abwechselungsreiches Programm, das die große Zahl der Zuhörer mit großem Beifall belohnte.
Auch die Workshops des Malateliers für Kinder unter Leitung von Gisela Späth fanden großen Anklang. Sie zeigten bei der anfänglichen Kunstbetrachtung, wie offen und einfühlsam Kinder mit abstrakten Arbeiten umgehen können. Und sie demonstrierten , mit wie viel Freude schöne Bilder entstanden.
Über den Schreibworkshop und die Tanzperformance wurde schon ausführlich berichtet.
Gisela Späth schloss mit einen herzlichen Dank für das große ehrenamtliche Engagement seitens des gesamten Vorstands und vieler Mitglieder, einem Dank an die Stadt für ihre engagierte Unterstützung und das Stadthallenteam unter Leitung von Herrn Rettl für ihre hilfreiche Zusammenarbeit, aber auch bei den vielen Besuchern, die durch ihr Interesse und ihre Wertschätzung die monatelange Arbeit letztlich zum Erfolg werden ließen und zu neuen Projekten motivieren.
(Bhe/GS)

Hockenheimer Tageszeitung, 24.07.06
(Dialog: Skulptur, Raum, Malerei mit Jörg Bach und Konrad Hummel erweitert durch den Dialog mit Musik, Literatur, Tanz, Performance)
Finissage
Mit einer Tanzperformance beendete der Kunstverein vor zahlreichem Publikum am letzten Wochenende sein ereignisreiches Ausstellungsprojekt in der Stadthalle "Dialog: Skulptur, Raum, Malerei" mit dem Bildhauer Jörg Bach und dem Maler Konrad Hummel.
Janna Schimka, die vielen Besuchern vom letztjährigen Wasserturmprojekt bekannt war, präsentierte sich in einem extra für diese Vorstellung ausgewählten, hellgrünen Gewand zunächst unbeweglich und still auf dem Boden des Kunst-Raumes liegend. Nach Minuten regloser Präsenz löste sich die Tänzerin langsam aus ihrer äußeren Starre, kehrte ihre inneren Bilder nach außen und öffnete sich für das Umfeld. In frei improvisierten Bewegungen erkundete sie den Raum, die Bilder und Objekte, ihre Energien, Inhalte und Eigenschaften. Mal auf einer rostigen "Bodenfrucht" kniend wurde das Raue des rostigen Stahls bis zum unangenehmen Kratzgeräusch gefühlt, ein anders Mal die Balance auf der über drei Meter langen, auf drei Füßen stehenden blaugrünen Stahlplastik ausprobiert. Irritiert glaubte der Besucher, sie könnte jeden Augenblick zum Kippen kommen, was nicht geschah. Durch ihre assoziativen Ausdrucksformen, ihre Performance-Kunst führte Janna Schimka den Dialog der verschiedenen Kunstgattungen weiter, brachte ihn zum Höhepunkt. Mit ihrer breiten künstlerischen Ausbildung und ihrer vielfältigen Bühnenerfahrung war sie eine Idealbesetzung für dieses grenzüberschreitende Geschehen.
Die Gruppe des kreativen Schreibworkshops unter Leitung von Sonja Viola Senghaus ergänzte die Performance von Janna Schimka mit einer Textkollage. In einem Wochenendworkshop hatten sich einige Experimentierfreudige von den Kunstwerken inspirieren lassen. Alexandra Fabricius brachte das Objekt "Zankapfel" in seiner Streitfunktion auf den Punkt, in den Texten von Marga Fedder waren Tod und die Figur des Gekreuzigten stark präsent, Gisela Späth bezog Licht, Klang, Raum, sowie Leidenschaft des Malers zur Musik im "Hörversuch" ein, bei Karl Wickerts "Incarnatus 20" verwoben sich Bild und Objekt zu einem neuen Schöpfungsakt und Kurt Thöds surrealistisch anmutender Prosatext war gespickt mit einer Brise von Satire und Humor. Während bei der Präsentation der Texte ein Querflötentrio unter Leitung der Musikpädagogin Uta Helene Follert zusammen mit Lisa Kerner und Elise Magdalene Söffing dazu frei improvisierte, endete die Finissage mit einem Rundgespräch aus mehreren Texten und ihrem Echo.
Diese Darbietung brachte die Energien von Bildender Kunst, Musik, Literatur, Schauspiel, Tanz und Performance zusammen und vermittelte den Besuchern eine Vorstellung von einem Gesamtkunstwerk. Gisela Späth, verantwortlich für die Konzeption und Durchführung des Gesamtkonzepts, dankte allen Aktiven und Besuchern für ihr Engagement und ihren Zuspruch.
(GS)

Hockenheimer Tageszeitung, 04.07.06
(Pressetext zur Eröffnung der Ausstellung Dialog: Skulptur, Raum, Malerei mit Jörg Bach und Konrad Hummel)
Plastik und Malerei in Zwiesprache mit dem Raum
Im Sinne des Wortes Raum-greifend kommt die derzeit in der Stadthalle laufende Ausstellung des Kunstvereins daher, die trotz Fußball-WM und herrlichstem Sommerwetter bemerkenswert viele Liebhaber der schönen Künste zur Vernissage in den Hockenheimer Musentempel lockte: Unter dem Titel "Dialog: Skulptur, Raum, Malerei" stellen die beiden renomierten Künstler Jörg Bach und Konrad Hummel insgesamt 41 Werke aus.
Aber nicht nur in der Exhibition selbst nehmen die Kunstwerke wie selbstverständlich ihren Raum ein, auch in einem umfangreichen Begleitprogramm dazu, das in den nächsten drei Wochen zahlreiche weitere Veranstaltungen offeriert, steht die Kunst Hummels und Bachs immer wieder im Mittelpunkt. Es sei dem Kunstverein "ein Anliegen, nicht nur eine Ausstellungseröffnung anzubieten und dann leere Räume zu haben", so die Vorsitzende Gisela Späth in ihrer Begrüßung, mir der sie auch knapp das Konzept dieses Ausstellungsprojekts erläuterte: "Den ganzheitlichen und grenzüberschreitenden Charakter der bildenden Kunst in den Mittelpunkt" zu stellen. Bereits in der Vergangenheit hat der noch junge Kunstverein mit seinen unkonventionellen Projekten auf sich aufmerksam gemacht. Insofern gab sich in diesem Jahr erstmals auch Oberbürgermeister Dieter Gummer die Ehre, an der Eröffnung mitzuwirken, wobei er das herausragende Engagement des 2002 gegründeten Vereins und sein besonderes Bemühen um Kinder und Jugend unterstrich. Der Kunstverein gehöre ohne Frage zum "Rückgrat Hockenheims". Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Gambenquintett um Robert Sagasser.
"Beide Künstler überschreiten die Grenzen ihrer Gattungen, der Plastik und der Malerei", so stieg die Heidelberger Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen M.A. in ihre Werkeinführung ein: So gebe der Bildhauer Jörg Bach seinen Werken über den Titel auf "das poetische Wort und seinen Anspielungsreichtum" bei, der Maler Konrad Hummel lehne sich titelnd stark an die Musik an.
Die Bilder Konrad Hummels sind chiffrierte Auseinandersetzungen des vor allem in den vergangenen Jahren mehrfach hochdekorierten Göppinger Künstlers mit der "dunklen Seite der Existenz", wie Gensichen es pointierte: Gerade die Reduktion auf nur wenige aber dafür nuancenreiche Farben unterstreicht Hummels Abkehr vom Sichtbaren, das er ohnedies allenfalls in ein paar Strichen stets nur andeutend aufkommen lässt, dem er aber stets einen ätherischen Schleier überzieht. Das macht Hummels Bilder, dien teils extrem großformatig daherkommen, wie das zwei auf fünf Meter große "Incarnatus", auf den ersten Blick etwas beliebig. Es bedarf schon eingehender Betrachtung, um die zahllosen, im Symbolhaften verharrenden, wortreichenden Details aufzunehmen. In dieser Zwiesprache mit dem Werk kommt man Hummels Anspruch vielleicht am nächsten, den er mit seiner Titulierung aus dem musikalischen Fach aufdrängt: Dem Hören mehr zuzutrauen als dem Sehen.
Einer, der sich ebenfalls nicht voll und ganz auf die Faszination des Augen-Blickes verlassen will, sondern zu taktilem Nach-Empfinden und Mit-Fühlen geradezu einlädt, ist der Bildhauer Jörg Bach aus Mühlheim an der Donau.
Seine teilweise sehr großen Plastiken aus Cortenstahl schöpfen ihre ungeheure Anziehungskraft aus der Faszination des räumlichen Komplexes und aus der bewusst aufgebauten Spannung zwischen dem Technisch-Materiellen und dem Organischen. Oder um es mit den Worten der Kunsthistorikerin Sigrid Gensichen zu sagen: "Seinen Plastiken liegen zwar letztlich geometrische Körper wie Kugel, Würfel und Quader zugrunde, aber wesentlich verändert: Er biegt drei- oder vierkantige Rohrstücke, als wären es Schläuche, krümmt sie zu spiraligen Gebilden, so ineinander verschränkt, dass sie nicht mehr voneinander loszukommen scheinen".
Dabei laden seine Objekte ausdrücklich ein zur Berührung, die sie in eine weitere Lebendigkeit erhebt: Nicht nur die momentan fühlbare Textur des Materials, die teilweise filigran lackierten Flächen, sondern auch die Zeit hinterlässt ihre Spuren auf dem rosthautbildenden Stahl, der sich immer wieder verändert und so das Vitale im scheinbar toten Material unterstreicht.
Eine Besichtigung dieser Ausstellung lohnt sich. Sie spricht mehrere Sinne an, sie ermöglicht Zwiesprache mit sehr beeindruckenden Werken und sie versteht es, die Auseinandersetzung des Künstlers mit der Thematik in eine eigene Erfahrung zu übersetzen.
Matthias H. Werner

Hockenheimer Tageszeitung, 13.06.05
Keine Angst vor Kunst: Der "Museumsblick" ist erlernbar
Der Hockenheimer hat ausgestellt - 80 Interessierte kamen. "Mehr als nur ein Achtungserfolg" schreibt die Zeitung und ist begeistert. Sicherlich wird Kunst kein Massenphänomen und der Ehrlichkeit halber muss man eingestehen, dass es nie eines war. Aber nur 0,38 Prozent der Gesamtbevölkerung?
Kunst ist ein hartes Geschäft und auch wenn sich der Stellvertreter des OB, Ernst Bohrmann, freundlich dafür bedankte, dass der Kunstverein einen wichtigen Beitrag für das kulturelle Leben der Rennstadt leistet - noch ist es ein Schattendasein.
Dennoch ist es wichtig, dass der Verein besteht. Nicht nur, weil er derzeit das kulturelle Leben bereichert, sondern vor allem, weil er die Chance bietet, das in Zukunft verstärkt zu tun.
Zu kämpfen hat er vor allen Dingen mir der schwierigen Gesamtsituation der Kultur im Allgemeinen, der Kunst aber im Speziellen in unserer Region: "Kunst ist ein Luxus, den sich nur dekadente Intellektuelle leisten können", hört man im Brustton der Überzeugung den sogenannten "Volksmund" sprechen. Und mal ehrlich: Wer will schon zur bornierten Schicht der Besserwisser gehören, die mit entrücktem Blick vor einer völlig weißen Leinwand stehen und "Nebel in der Winterlandschaft" bewundern.
Eben hier liegt die große Chance des Kunstvereins: Er kann zeigen, dass nicht nur abgefahrenen Spinner und vergeistigte Möchtegerns sich der Kunst widmen, sondern der Nachbar ebenso, wie der Arbeitskollege - Menschen wie Du und ich eben.
Wenn es gelingt, mehr Bürger zumindest in die Ausstellungen zu locken, dann ist der größte Schritt getan: Sind sie erst einmal hier, dann helfen schon kleine flankierende Worte, um die Auseinandersetzung mit den Kunstwerken in Gang zu bringen.
Wer Augen hat zu sehen, der sehe - und Jeder, das ist die bemerkenswerteste Erfahrung, die die Kunst vermittelt, wird etwas anderes sehen. Hierin liegt der Zauber der Kunst, dass sie nicht versucht, uns abschließende Wahrheiten zu indoktrinieren, sondern Erfahrungsräume eröffnet, die eine ganze Menge Wahrheiten offerieren.
Und als letzter Tipp: Dietrich Schwanitz' Kapitel über die Kunst in "Bildung, Alles was man wissen muss" - hier lernen wir auf äußerst vergnügliche Weise, dass Bildung nur wenig mit Wissen zu tun hat und viel mit Theater. Es ist beruhigend: Den Museumsblick der vergeistigten Kunstbetrachtung kann man - mit ein wenig schauspielerischem Talent und gehöriger Übung - lernen. Also: Fangen wir mir dem Training an!
(Matthias H. Werner)

Hockenheimer Tageszeitung, 13.06.05 (Ausschnitt)
Zeitungsartikel zur Eröffnung der Ausstellung A. Göhringer, G. Winter
Grundlegender Diskurs mit dem Künstlerischen an sich
Eröffnung der Ausstellung des Kunstvereins in der Stadthalle stößt auf insgesamt sehr große und rundum positive Resonanz.
Es war mehr als nur ein bloßer Achtungserfolg, den der Hockenheimer Kunstverein am vergangenen Wochenende feiern konnte: Es war so etwas wie ein Durchbruch, als man am frühen Samstag Abend in der Stadthalle ein ums andere Mal Stühle herankarren musste, um den strömenden Besucherscharen einen Sitzplatz zu sichern. Am Ende konnte die zweite Vorsitzende des Kunstvereins, Gisela Späth, weit mehr als 80 Besucher begrüßen, nicht ohne Stolz, wie ihr anzumerken war und durchaus dankbar gegen die Stadt, die einmal mehr ermöglicht habe, die Stadthalle für diese Werkschau zu nutzen, mit der ein "menschlicher und künstlerischer Dialog in die Räume geholt" worden sei - "mit Power und Sensibilität". Oberbürgermeisterstellvertreter Ernst Bohrmann bestätigte, dass der Kunstverein mit viel Engagement das kulturelle Leben der Gemeinde außerordentlich bereichern würde und ermunterte die Besucher, Kunstwerken ohne Angst zu begegnen, selbst wenn man bisweilen den Eindruck hat, dass man sie nicht bis ins Letzte versteht.....
Gerd Winter beschäftigt sich vorrangig mit der Farbfeldmalerei, die ihre Wirkung allein aus der Farbe an sich zieht, die mit Spannungen arbeitet, die zwischen den einzelnen Farbfeldern entsteht, und die einen nicht unbedeutenden Akzent auf den Grenzflächen zwischen den einzelnen Farbfeldern setzt.
Die Ausstellung zeigt zwanzig Werke aus der Schaffensperiode der letzten 15 Jahre. Mit seinem Lehrer, dem durchaus umstrittenen Aktionskünstler Hermann Nitsch, verbindet ihn, so die Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Martina Wehlte-Höschele in ihrer Werkeinführung, die "existentielle Unbedingtheit", die "Reflektiertheit seines Tuns" und das "Spirituelle der reinen Malerei". Allerdings wird der Betrachter ausreichend Geduld aufbringen müssen, dass sich die Tiefe der Einzelwerke erschließt, das Flirren der in zahlreichen Schichten halbtransparent übereinander aufgetragenen Farben, das fast physisch spürbare Reiben an den Grenzen, die mal messerscharf geschnitten, mal in faserigen Übergängen gestaltet wichtige Wegmarken für das Auge bieten....
Ohne Gerd Winters Einzelleistungen schmälern zu wollen, wird man nicht umhin kommen, anzumerken, dass er einen hervorragenden Rahmen abgibt für den noch weitaus bemerkenswerteren zweiten Künstler: Armin Göhringer. Er zeigt 18 Holzarbeiten, die - man glaubt es bei der Betrachtung der teils sehr großen, teils erstaunlich kleinen Skulpturen nicht - mit der Kettensäge bearbeitet wurden. Dabei entstanden teils sehr massive Körper, die in ihrer Wucht dem Betrachter ein hartes Gewicht aufbürden, teils aber unglaublich filigran und luftig wirkende Skulpturen, die trotz ihres nach wie vor stabilen Corpus zerbrechlich und leicht daher kommen. Dabei bedient er sich der Kreuzschichtung als Kunstprinzip, indem er sich vorrangig der Horizontalen und der Vertikalen bedient: Unzählige Einschnitte in den massiven Stamm lösen ihn gleichsam auf. Besonders eindrucksvoll ist ein vier Meter hoher Nussbaumstamm, der in einer Art Dreieinigkeit auf der einen Seite den massiven Stamm zeigt, ihn auf der anderen Seite in tief eingeschnittene Vertikalen öffnet, was etwas Aufstrebendes und Erhöhendes vermittelt, um sich auf der dritten Seite mit horizontalen Einschnitten zu vereinen und den Stamm auf diese Weise durchsichtig und transparent zu machen. Es gibt keinen Zweifel: Was Hockenheim hier zu sehen bekommt, das ist eine bemerkenswerte Werkschau zweier ernstzunehmender und gut erschließbarer Künstler, die man weder als Experte, noch als Laie verpassen sollte. (mhw)

Taras' Garten: Metallreliefs und Bilder aus Wolle
Susanna Taras siedelt ihre Werke zwischen teppichartig gewirkten Blumen-Bildern und ornamentalen Stahl-Reliefs an - Natur einerseits, Architektur andererseits. Vor ca 10 Jahren begann die Künstlerin mit einer Serie von hand getufteten Tapeaux, nicht nur sprachlich eine Verquickung zwischen Teppich (französisch: Tapis) und Bildern (französisch: Tableaux). Ornamentale Muster bestimmen die Tapeaux und Metallreliefs und sind dem islamischen, asiatischen und europäisch-mittelalterlichen Formenrepertoire entlehnt. Sie entfernen sich von der rein schmückenden Funktion. Ihre Werke sind vielschichtig, ironisch, manchmal heiter, aber durchaus auch Ehrfurcht gebietend.
Die Stuttgarterin setzte sich provokant über die Grenzen zwischen angewandter und bildender Kunst hinweg. Im Laufe ihrer konsequenten künstlerischen Bestrebungen hat Susanna Taras florale Motive aus den Tapeaux isoliert und zu eigenständigen gigantischen Blumenreliefs weiterentwickelt. In nunmehr synthetischen Materialien und mit grellen, manchmal sogar fluoreszierenden Farben malt sie mit einer speziell dafür umgebauten Bohrmaschine in Abwandlung der traditionellen Knüpftechnik meterhohe Pflanzengebilde, die ihrem natürlichen Kontext völlig entrissen sind. Susanna Taras transformiert von der Wurzel bis zur Blüte jedes einzelne Stadium des natürlichen Wachstumsprozesses in ihre eigene Kunstsprache.

Hockenheimer Tageszeitung, 30.08.2004 (Auszug)
Blühende Fantasien aus Wolle und Stahl - so kann man die Werke beschreiben, die von Samstag, 28. August, bis Freitag, 17. September in der Stadthalle Hockenheim zu besichtigen sind. Die .Ausstellung der Stuttgarter Künstlerin Susanna Taras ist die 3. große Kunstausstellung des Hockenheimer Kunstvereins mit überregionalen Künstlern.
Die mit vielen Preisen bedachte Stuttgarterin ist unter anderem Trägerin des Staatspreises Gestaltung Kunst Handwerk des Landes Baden-Württemberg. Seit 1992 stellt sie regelmäßig aus - in St. Gallen, Bern, Stuttgart, München, Dortmund, Zürich, Köln und jetzt auch in Hockenheim.
"Eine farbgewaltige Präsentation großformatiger Teppiche als herrliche Malerei in Wolle, Pflanzengebilde in fluoreszierenden Popfarben und geometrische Raumkunst in islamischer Ornamentik bilden den Spannungsbogen dieser Ausstellung. Einfache Alltagsblumen als Sinnbilder für das Leben und die Vergänglichkeit strecken sich in ihrer ganzen Pracht und Fülle den Augen und Sinnen der Betrachter entgegen, sie versprühen vitale Energie und schöpferische Kraft. Im Mittelpunkt der Halle steht eine Bronce-Skulptur in leuchtend-roten Facetten, der Diamant als Blüte des Raumes."
Ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Ausstellung soll die Kunst für eine breite Besucherschicht öffnen. Neben mehreren Veranstaltungen für Kinder sollen in einem Vortrag unter dem Titel "Flora des Ornaments - blühender Zierat von der Antike bis heute" Susanna Taras' florale Teppiche, Stoffreliefs und Metallarbeiten innerhalb der Entwicklung von Kunst und Handwerk dargestellt werden. Die Referentin wird in ihrem Vortrag auch Antwort auf die Frage geben, "Was ist Ornament? Welche Funktion hatte es in früheren Stilepochen, welche Bedeutung hat es heute? Und die Blume, ist sie noch Sinnbild des Lebens? Mit Bildbeispielen schlägt die Referentin einen Bogen bis zu Werken von Andy Warhol, Georgia O'Keefee und Rosemarie Trockel.

Stillleben - realistische Malerei mit Dieter Kraemer und Dirk Schmitt
Dieter Kraemer thematisiert Alltägliches, z.B. eine Flasche Wein, ein Stück Käse, Brot, Gemüse, zum Kochen bereitgelegt. Ein großes Spektrum des gegenständlich Unscheinbaren wird uns wie beiläufig gezeigt. Seine besondere Liebe gilt dem Detail und der malerischen Behandlung der Strukturen. Die Bilder lassen eine Grundstimmung von Vertrautheit entstehen, wecken Erinnerungen und erzählen unpathetische Geschichten. Sie sind Sinnbilder einer gewissen Zeitlosigkeit und Zeitdokumente zugleich.
Auch Dirk Schmitt, einer der Meisterschüler von Dieter Kraemer, ist Realist. Bekannt wurde er durch seine Menschenbilder in Rückenansicht, die Fragen nach unserer Existenz und dem Menschenbild aufwerfen. Doch Vieles ist im Fluss, Themen und Techniken können sich noch rasch wandeln. In Hockenheim zeigt er eine neue Werkgruppe, die Mausefallen. Seine Arbeit kennzeichnet akribische Genauigkeit, Differenziertheit und Detailreichtum und eine äußerst sorgfältige Malweise.

Hockenheimer Tageszeitung vom 30.07.2003 (Auszug)
"Mit Dieter Kraemer und Dirk Schmitt ist es dem Kunstverein gelungen, zwei ganz besondere Künstler nach Hockenheim zu holen. Dass es sich dabei um den Lehrer und einen seiner Meisterschüler handelt, und dass dies die erste gemeinsame Ausstellung ist, verleiht dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz."
Dieter Kraemer, 1937 in Hamburg geboren, lebt und arbeitet in Köln. In seiner überaus erfolgreichen Karriere bekam er mehrere Stipendien und wichtige Preise. Zuletzt wurde er als Professor für Zeichnung und Malerei an die Kunsthochschule für Medien in Köln berufen. Seine Arbeiten sind in vielen deutschen Museen zu finden, zum Beispiel im Museum des 20.Jahrhunderts in Berlin, in der Kunstsammlung der BRD in Bonn, in der Bayrischen Staatsgalerie in München und auch in der Mannheimer Kunsthalle.
Der 30 Jahre jüngere Dirk Schmitt arbeitet seit 1999 als freischaffender Künstler in Köln. Nach dem Besuch der Fachoberschule für Gestaltung und dem Studium der Malerei an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln war er Meisterschüler bei Professor Dieter Kraemer. Den Beginn seiner Laufbahn kennzeichnet ein Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Galerien im In-und Ausland vertreten.

Projekt HimmelWiesenErde mit Ilse Müller und Karlheinz Zwick
Bei den Arbeiten auf der Wiese drängte sich die Frage nach dem Verhältnis von Natur und Kunst sozusagen auf. Ilse Müllers Blütenblätter aus gesplittertem Verbundglas waren durch das wachsende Gras einer langsamen aber stetigen Veränderung ausgesetzt. Karlheinz Zwicks große Himmelsbilder, am Fuße mit Erde gefüllt und in einem Rahmen hängend, wurden von Wind und Regen beeinflusst. Die Aktion bei der Eröffnung "Ein Stück vom Himmel für Jedermann" konfrontierte die Besucher auch mit der Frage nach den Gefahren des Konsums. Ein Flugzeug warf, handlich verpackt und in Postkartengröße ein Stück vom Himmel für diejenigen, die ein Stück davon erhaschen konnten.

Hockenheimer Tageszeitung vom 08.07.2003 (Ausschnitte)
Ein Stück vom Himmel zum Mitnehmen für Jedermann
Himmel und Erde, von jeher diente die Natur Künstlern als Inspirationsquelle. "Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst" schrieb Josef Eichendorff in seinem Gedicht "Mondnacht" .Redensarten wie "Himmel und Erde in Bewegung setzen" oder "Jemandem den Himmel auf Erden versprechen" haben sich fest in unserem Sprachgebrauch etabliert. Während die Einheit von Mensch und Natur den Geist der Romantik beseelte, steht die Auseinandersetzung mit der Natur heute unter anderen Vorzeichen.
Um Gedankenanstöße zu diesem Thema und die subtile Auslotung verschiedener Interpretationsmöglichkeiten ging es bei dem Projekt von Ilse Müller und Karlheinz Zwick, das der Kunstverein präsentierte. Dr. Martina Wehlte-Höschele, erste Vorsitzende des Kunstvereins, begrüßte eine Vielzahl von Kunstinteressierten, darunter auch Oberbürgermeisterstellvertreter Alfred Rupp und Stadtrat Willi Keller, die sich zur Eröffnung der Freilandinstallation auf dem Wiesengelände des Insultheimer Hofs sowie der Ausstellung im Atelier Ilse Müllers eingefunden hatten.
Matthias Brück, Philosoph und Kunsttheoretiker, unternahm in seiner gelungenen Einführung eine Standortbestimmung der Gegenwartskunst, in dessen Kontext er das Werk von Ilse Müller und Karlheinz Zwick stellte. Er bescheinigte ihnen kein klischeehaftes ""Entweder-Oder, vielmehr ein raffiniertes "Sowohl-als-auch".
In den Blütenblättern aus gesplittertem Verbundglas, von Ilse Müller auf der Wiese installiert und durch das wachsende Gras einer langsamen, aber stetigen Veränderung ausgesetzt. spiegelte sich die stetige Auseinandersetzung, ein In-Kommunikation-Sein mit der umgebenden Natur. Drinnen im Atelier dominierte in jedem Raum eine bestimmte Technik, die stets mit einer dem jeweiligen Material entborgte Ästhetik eingesetzt war (Collage, Schwarzblecharbeit, Arbeiten auf Holz, Malerei). Negative und positive Aspekte des Naturdenkens würden hier erhellt, der Mensch in seiner Doppelrolle als Leidender und Leidzufügender stets in den Blick genommen.
Insbesondere mit dem Thema "Himmel und Erde" beschäftigt sich Karlheinz Zwick, der eine Reihe beachtlicher Exponate im Atelier ausstellte. Mal sind es fast wörtlich ins Material übersetzte Objekte, dann wieder spielerische, offene Übertragungen, die der eigenen Spekulation weiten Raum lassen. Die unterschwellige ironie sei eine der vielen Qualitäten, die Werke von Zwick auszeichneten, erklärte Brück.
Am beeindruckendsten waren die großen Himmelsbilder, 2,4 auf 1,6 Meter. Fragen nach dem Verhältnis von Natur und Kunst veranlassten, die Rolle der Kunst neu zu definieren. Der Vergleich mit Warenhäusern, "Natur von der Stange", "Landschaft zum Mitnehmen" lag nahe. Ist auch die Kunst vor den Gefahren des Konsums nicht gefeit?

Jung Soon Büchner und Gisela Späth in den Räumen der Sparkasse
Mit einer Ausstellung von Collagen und Gemälden von Jung Soon Büchner und Gisela Späth begann eine neue Ausstellungsreihe des Kunstvereins Hockenheim. Dreimal jährlich können Mitglieder des Kunstvereins dieses Forum für ihre Arbeiten nutzen.
Gisela Späth, die in den letzten zehn Jahren die Gouachemalerei für sich entdeckte, zeigte hier differenzierte Bildcollagen aus Papierresten, Stoff, Sand, Dispersionsfarbe und Gouachefarben, in denen der Gegenstand und die Mittel der Darstellung absolut eins wurden. In ihren Bildern thematisierte sie Ferienerlebnisse ( Inseln, Berge, Türme und die blaue Brücke), die jedoch eher als Vorwand gedacht waren, um durch experimentieren und mit Material und Farbe und Reflexion eine eigene Form und Sprache zu entwickeln.
Mit ganz anderen Arbeiten war Jung Soon Büchner vertreten. Ihre Bilder hatten ein konkretes Motiv, z.B. eine blühende Wiese, die sich in ein wogendes Farbfeld verwandelte, oder eine Szene aus einem Autorennen, wo ein farbliches Verwischen der Formen eine hohe Geschwindigkeit simulierte. Feinste Farbnuancen schienen die Farbigkeit zum Explodieren zu bringen. Weitere Exponate waren in der Aquarelltechnik und als Aktstudien gearbeitet.

Hockenheimer Tageszeitung vom 01.02.2003 (Ausschnitte)
Der Leiter des Vermögensanlagezentrums Ronald Mummert, sowie die 1.Vorsitzende des Kunstvereins, Dr. Martina Wehlte-Höschele, konnten eine überraschend große Anzahl von Kunstinteressierten in den Räumen des Sparkassengebäudes begrüßen. Der Dank ging besonders an den Sparkassenvorstand, Direktor Michael Hartmann, sowie die Mitarbeiter Mummert, Bambach und Träutlein.
Dr. Martina Wehlte-Höschele bezeichnete es als einen besonders glücklichen Umstand, die Ausstellungsreihe mit Bildern von Jung Soon Büchner und Gisela Späth beginnen zu können, da es sich hierbei nicht nur um Werke von wirklich gutem Niveau handele, sondern die Arbeiten auch - bei allen äußerlichen Unterschieden - eine innere Korrespondenz zueinander hätten, indem sie sich größtenteils dem Naturhaften widmen würden, Landschaftformen und Vegetabilem. Jung Soon Büchner und Gisela Späth vorstellen zu wollen, hieße "Eulen nach Athen tragen", meinte Wehlte-Höschele launig, da beide eine feste Größe in der Hockenheimer Kunstszene und darüber hinaus seien.

Hockenheimer Tageszeitung vom 13.11.2002 (Ausschnitte)
Starkes Interesse am Umweltquiz - Kunstverein übergibt Preise
Im Rahmen des Aktionsprogramms, das der Kunstverein in Zusammenhang mit der Lokalen Agenda veranstaltet hat, fand dieser Tage die Auslosung des Preisausschreibens statt. Theresia Gaa vom Kunstverein, die für das Umweltquiz verantwortlich war und die Preisverleihung vornahm, konnte am Tag der Gewinnübergabe etliche Teilnehmer und Preisanwärter begrüßen. Insgesamt nahmen über 80 Besucher des Aktionsprogramms am Umweltquiz teil. Den größeren Teil machte die Jugend aus, was durchaus als gutes Zeichen für das steigende Umweltbewusstsein zu sehen ist. Obwohl Kinder und Erwachsene verschiedene Fragebögen hatten, waren die Fragen nicht immer leicht zu beantworten....
Die kleine Glücksfee Katharina zog die Gewinner für die vielen attraktiven Preise wie z.B. einen Gutschein für den Besuch einer kulturellen Veranstaltung in der Stadthalle...
Der Rektor der Gustav-Lesemann-Schule, Gastgeber für diese Ausstellung, wünschte, dass die "Kunst der Verwandlung, die ja das Motto des Aktionsprogramms und der Ausstellung des Hockenheimer Kunstvereins war, nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Herzen der Menschen stattfindet - ein Wunsch, der sicher ganz im Sinne der Lokalen Agenda ist.

Hockenheimer Tageszeitung vom 22.10.2002 (Ausschnitte)
Projektgruppen der Lokalen Agenda stellen aus - Arbeiten in Sinne der Umwelt
Kürzlich fand in der Gustav-Lesemann-Schule und der Theodor-Heuss-Realschule die Ausstellung der Agendaprojekte der Kindergärten, Schulen, des Jugendtreffs und Altenheims und der Workshops statt. Der Kunstverein hatte zu einer Eröffnungsveranstaltung alle Bevölkerungsschichten eingeladen. Mit Musik, Tanz, Gedichten, einem Handkino, Lagerfeuer und Stockbrot, einer Videopräsentation über die Erstellung der Farborgel und einer "Alternativen Modenschau" wurde den Besuchern ein vielfältiges Programm geboten. Parallel dazu konnten die vielen Projektergebnisse bewundert werden: angefangen von der "Igelfamilie" der Kleinsten, über die Kindergartenprojekte "Naturnaher Garten", "Sinneshöhle", "Klangschloß", "Kunst aus dem Wald", "Bearbeitete Baumstämme", "Der Mensch im Kreis der vier Elemente", die Schulprojekte "Schützt die Natur, erhaltet den Wald", "Baumobjekte", "Alternatives Modedesign", "Unsere Umwelt einmal anders-3D", "Schmetterlinge, Raupen, Puppe, Kokon", "Hüter der Welt", Farborgel", Altenheim und Geriatrische Reha-Klinik mit "Sinneswand" und "Generationen". Vom Jugendzentrum wurden "Objekte aus Computerschrott" gezeigt, der Gruppe Gottfried "Wasser-Quelle des Lebens und die Schwemmholzplastik Farborgel", den Workshops von Gisela Späth "Alte Ordner neu gestaltet", "Eine Schatzkiste" und "Natur, Schöpfung, Imagination". Der Tag war für alle ein Erfolg, denn die Aussteller haben mit großer Überzeugungskraft den Menschen ein Stück näher gebracht, wie wichtig die Natur ist. Jeder einzelne muss dazu beitragen, die Umwelt zu schützen.

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